Fragende Aviada

[Einschub: Ein Lob an Nevermore, daß in ihren Landen so viele Geister sich einfinden. Diese Kompilation beruhrt auf einem
Beitrag der Aviada und den Antworten von Nevermore, Darkfox/Nemesis, Tinúviel und Leonard S. Deuce.
Ich vermied es, den Folgebeitrag von Aviada mitabzudrucken, da er viele zu persönliche Angaben enthielt.
Die mit > markierten Zeilen sind jeweils Kopien aus dem vorherigen Brief; eingeschobene Absätze sind Antworten bzw. Diskussionen, 
die aus dem ursprünglichen Beitrag entstanden sind.]


Warum?
Aviada am 04. Januar 2000:

     Manchmal gebe ich schon fast die Hoffnung auf, dass es jemand auf der Welt gibt, der mich versteht. Gibt es denn niemand der nachdenkt. Wenn ich
     mich mit Leuten unterhalte, fällt mir meit nur auf wie oberflächlich sie sind, wie primitiv. Vielleicht haben einige grosse Auszeichnungen aufzuweisen,
     doch es hält sie nicht davon ab, der Masse hinterher zu rennen. Im Einheitsbrei zu rühren. Jeder verschliesst die Augen, hält sich für besonders schlau,
     wenn er glaubt im Nichts angekommen zu sein. Nichts als erbärmliche Selbstbemitleidung. Viele von denen, die glauben ihr Leben wäre eine depressive
     Müllhalde haben keine Vorstellung davon wie das Leben wirklich ist. 
     Wie grausam es auserhalb der Traumwelt aussieht. 
     Und ich. Ich sehe so viel. Ich kann die Augen nicht mehr verschliessen, stattdessen mache ich mir Gedanken, die mich auch schon mal eine nacht durch
     aufblieben liessen. Wir vegetieren vor uns hin und keiner hat den Mut auszubrechen. Nicht mal ich. 
     Mir kam auch schon der Gedanke, dass das ganze Leben nur ein Spiel ist. Wir die Schachfiguren eines grausamen Duells darstellen...
     Aber es scheint niemand zu stören. Niemand zu Veränderung aufzurufen...Niemand nachdenklich zu machen...
     Aviada 


Antworten....
Darkfox/Nemesis am 04. Januar 2000:
     Liebe Aviada !
     Sag´ niemals nie. So lapidar das klingen mag,so richtig ist es doch. Nichts ist absolut,auch nicht die Oberflächlichkeit der Menschen. Immer wieder gibt
     es Menschen,die mehr sehen als andere. Menschen wie Dich. Du bist nicht allein. Du hast Schwestern und Brüder in der Nacht,Du mußt sie nur
     suchen. Augenblicklich befindest Du Dich in einem Zustand,den ich weiter unten,unter "Realität als Droge ?",als "Overdrive - Modus" bezeichnet habe :
     Das Anderssein in einer Welt voller Schafe wird zur erdrückenden Gewissheit,während immer neue Eindrücke aus der "echten" Realität auf Dich
     einströmen,Dich belasten,bis zur Schmerzgrenze ... Was Du brauchst,sind Freunde und Gleichgesinnte,die Dir beistehen,die Dir helfen,in Deinem
     Anderssein Stand zu finden. Denn,so meinen viele,die es wissen müssen,den Weg zurück zum simplen Teil - der - Masse - Sein gibt es nicht ...
     So sei uns denn Willkommen,die Du auserwählt und verflucht bist. Möge dieses Forum Dir Rat und Wegweiser,Trost und Halt,Hilfe und Hoffnung in
     einem sein. ;-)
     MfG,Dein Nemesis/DarkFox. (Link: Die Gesammelten Werke von Nemesis/Darkfox)


Leonard S. Deuce am 05. Januar 2000:
     Hallo Aviada!
     Ich hatte das selbe Problem wie du, mit einer Ausnahme: Ich bin ausgebrochen!
     Das ist anfangs sehr schwer, weil sich plötzlich alle von dir abwenden und du glaubst, dass jetzt alles vorbei ist.
     Aber das geht vorbei und ich würde es jeder Zeit wieder tun!
     Man lernt nämlich so seine wahren Freunde kennen und man hat endlich die Möglichkeit sich individuell zu entfalten.
     Es ist wirklich traurig, wenn man mitansieht, wie einem jeder
     vorheuchelt, man solle doch tun wonach einem ist, und dann doch wieder
     durch Uniform zu den anderen zählen will, um Freunde zu haben, die keine sind.
     Daher bin ich stolz darauf, ein paar wirkliche Freunde zu haben, beispielsweise
     den lieben Kollegen Tinúviel, auf den ich bis jetzt immer zählen konnte,
     auch wenn wir uns schon böse in der Wolle hatten.
     Was ich eigentlich sagen will ist, dass du einfach rauslassen solltest, was in dir drinn ist.
     Ich weiss nicht wie das bei dir aussieht, aber ich lauf gerne mit zerrissenen Streifenpullies, Schlafanzughemden; lackierten Fingernägeln; Schlaghosen
     und Schminke rum. Es ist dann sehr lustig zu beobachten, wie sich die Leute dann schon wegen Kleinigkeiten selbst verarschen und das macht ganz
     einfach nur Spaß, weil mich keiner mehr einschränkt.
     Ich will jetzt nicht großkotzig klingen, aber ich glaube wenn mich einige so in meiner eigenen Freiheit sehen, würden sie bestimmt gerne mal tauschen,
     aber keiner will es vor seinen "Freunden" zugeben.
     Es gibt aber auch miese Gefühle, z.B. fühle ich mich manchmal ziemlich einsam, wenn ich sehe, dass niemand ausser mir diesen Schritt macht. Wennes
     aber manchmal so aussieht, als ob noch jemand heraustritt, machen es die meisten, um einfach nur cool zu sein, "Wir sind anders, aber wenn wir schon
     anders sind, sind wir es alle zusammen!"
     ist schon ein scheiß Leben!
     Leonard


Tinúviel am 06. Januar 2000:
     Hi.
     Ich danke Leonard. Zu sagen, was man wirklich denkt. Mir kommen Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, wie dies Freundschaften gefährden
     konnte. Ein Freund D. hatte in mir scheinbar jemanden entdeckt, mit dem er über seine wahren Gefühle und Gedanken reden konnte. Gemeinsam
     erlebten wir, wie sich Türen öffneten, die es uns wie mystische Schauer den Rücken herunter liefen ließen.
     Doch er zweifelt. Er hat Angst, daß es der eigene Untergang ist, sich auf dieses Denken einzulassen. Er hat angst um seine Freunde, denen er noch nie
     wirklich begreiflich machen konnte, was er denkt. Er konnte ihnen die Wahrheit ins Gesicht schreien, doch sie sagten nur dieses sinnlose "Ich weiß ja,
     was du meinst...". Er beginnt fast zu glauben, daß es wirklich so ist, daß Unwissenheit Stärke sein soll, daß wir, wie DarkFox/Nemesis schreibt,
     auserwählt und verdammt zugleich sind. Ich weiß nicht, wie ich ihn überzeugen kann, und das macht mich traurig. Denn auf der anderen Seite hält dieses
     Denken einen davon ab, seinen normalen Arbeitstag hinzunehmen, sich alles gefallen zu lassen, um den Broterwerb gewährleisten zu können. Und es
     gibt Freunde, falsche Freunde, die einen nicht "für voll" nehmen, einen schlecht machen.
     Ich hoffe, daß ich D. nicht verliere. 
     Ich hoffe auch, daß du weißt, du bist nicht allein. Es gibt Menschen. Sie tragen nur oft Masken. Wenn du sie direkt ansprichst und sie antworten nur
     "Ich weiß ja, was du meinst,...", dann kannst du sie meistens vergessen - ich habe es ausprobiert. Aber antworten sie, indem sie auch wirklich etwas
     sagen, könntest du jemanden gefunden haben, der denkt. Der nicht nur unwissend vegetiert.


Darkfox/Nemesis am 06. Januar 2000:
     [...]
     Hmmm. Wie gesagt,die Gesellschaft ist nicht an allem Schuld. Ausbrechen,schön und gut. Aber wie lange kann man Rebell sein,ohne unter die Räder zu
     kommen ?
     Zwischen totalem Ausbruch und völliger Integration gibt es ja viele Facetten. Da man die Gesellschaft,wenn überhaupt,so doch nicht von heute auf
     morgen ändern kann,organisieren sich ja viele Geschöpfe der Nacht in eigenen Gruppen,Clans etc. Die Gemeinschaft wird zum zentralen Schlüssel :
     Austausch unter Gleichgesinnten,Verständnis,Akzeptanz,ein gemeinsames Ziel und "Feindbild"
     und ein ähnlicher,ungeschriebener Ehrenkodex. Dann kommt noch die Abschottung nach außen hinzu. Das Problem allerdings bleibt,in dieser einen
     Welt zu leben,sich mit Ihr arrangieren zu müssen. Manche führen Ihre Rebellion in Ihren vier Wänden und im Kreise Ihrer Freunde fort,andere
     versuchen,offen zu agieren,mit allen Folgen,die das haben kann. Es ist schwer,hier eine Lösung zu finden,gerade für physisch und psychisch schwache
     Menschen ...
     Dann das Thema Einsamkeit. Dagegen helfen besagte Gemeinschaften ja. Manche von Ihnen,wie die Schattenarmee,existieren eben nur im INet,aber
     das ist besser als nichts,wo wir ja in alle Welt zerstreut leben. Austausch kann auch so stattfinden,wertvolle Kontakte können geknüpft werden usw.
     Selbst ein wenig Wärme und Nähe können "weitergegeben" werden. Daher sind Treffpunkte wie dieses Forum so wichtig. Sie zeigen uns : Wir sind
     nicht allein. "Though it´s cold and lonely in the deep dark night,I can see Paradise by the dashboard light." (Meat Loaf). Laßt uns also Versuchen,eine
     einige Front,eine Gemeinschaft zu bilden. Und laßt uns Versuchen,die typisch menschlichen Fehler der Schafe zu vermeiden.
     Und was die "normalen Menschen",also die Schafe,betrifft,so müssen wir halt nachsichtig mit Ihnen sein. Indem wir Ihre Fehler wiederholen,stellen wir
     uns mit Ihnen auf eine Stufe. Leben wir Ihnen lieber vor,wie man´s besser machen könnte. In diesem Sinne.
     Vive la Revolution ! (Altes Motto der Schattenarmee. *ggg*)
     Let the Darkness heal your Soul ! ist übrigens das neue.
     MfG,Euer Nemesis/DarkFox. (Link zur Schattenarmee)


Nevermore am 06. Januar 2000:
     Anam Cara
     Wir leben schon in einer zauberhauften Zeit..Welt..
     So viel Oberflächlichkeit..Ignoranz..Feigheit...muss schon was besonderes sein.
     Womöglich wurde dieser Planet von allem "Ausserirdischen Leben" bereits als Ausnahmezustand..
     Katastrophen-Gebiet...gesperrt..
     Wie auch immer..
     Es gibt einige..Wahnsinnige..die sich trauen zu sagen was sie denken..aber was hilft das wenn 
     irgendwann keiner mehr ein Wort versteht von dem was sie sagen.
     Hört sich wiedermal sehr unglaubwürdig an..aber auf dauer..und wirklich..nervt es.
     Die Menschen in ihrer Art langweilen einen furchtbar, man steht so oder so allein da, darf mit
     Vorurteilen und sinnlosen Diskussionen überleben.
     Nicht selten fehlt doch ein kleiner Kreis Gleichgesinnter, um wenigstens etwas Verstehen anstatt 
     Verurteilung zu finden..
     Ich weiss inzwischen selten wie ich mich wem gegenüber ausdrücken kann...ohne das es zu..derb endet.
     In dieser welt nahe dem Unmöglichen man selbst zu sein, die Gesellschaft verlangt nach Anpassung, 
     wird man schliesslich der Wolf unter den Schafen, die Reflektion in der Eintönigkeit ihrer Existenz.
     Aber in einer eigenen kleinen "Welt" gefangen. Einer WElt die kaum Verstehen, Einsicht oder etwas
     Respekt ohne langen Kampf bekommt..
     In Nichts..in einem Fall ohne Ende..ohne Netz..ohne Doppelten Boden..in aller Wahrheit..
     ...und jetzt rede ich zu viel..wie war das..'verschleiertes'...naja..
     sowieso nich mein Tag/Woche ..
     So long
     Never