"Indeß thaten die Schönheiten der Natur und die guten Nachahmungen derselben von jeder Art immer die gröste Würkung auf mich; aber in Absicht auf Kunst wars nur ein dunkles Gefühl, das mit keiner Kenntniß verbunden war; und daher entstand, daß ich meine Empfindungen, und die Eindrücke, die die Schönheiten der Natur auf mich gemacht hatten, lieber auf eine andere Art auszudrücken suchte, deren Ausdruck weniger mechanische Übung, aber die gleichen Talente, eben das Gefühl für das Schöne, eben die aufmerksame Bemerkung der Natur fordert." (Salomon Geßner: Brief über die Landschaftsmalerey 1770)
"Ahndung in mir, dunkles Gefühl der Entzükung, Welche den Staub an dem Staub einst unaussprechlich Trösten soll, o Gefühl, Weissager Inniger, ewiger Ruh!" (Klopstock: Ode)
"die lebhafteste Anschauung bleibt dunkles Gefühl, bis die Seele ein Merkmal findet und es durchs Wort dem Gedächtnis, der Rückerinnerung, dem Verstande, ja endlich dem Verstande der Menschen, der Tradition, einverleibet" (Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit)
"wenn er nur die allergröbsten Äußerungen des Zornes einem Akteur von ursprünglicher Empfindung abgelernet hat und getreu nachzuahmen weiß - den hastigen Gang, den stampfenden Fuß, den rauhen, bald kreischenden, bald verbissenen Ton, das Spiel der Augenbrauen, die zitternde Lippe, das Knirschen der Zähne usw. - wenn er, sage ich nur diese Dinge, die sich nachahmen lassen, sobald man will, gut nachmacht: so wird dadurch unfehlbar seine Seele ein dunkles Gefühl von Zorn befallen, welches wiederum in den Körper zurückwirkt und da auch diejenigen Veränderungen hervorbringt, die nicht bloß von unserm Willen abhangen; sein Gesicht wird glühen, seine Augen werden blitzen, seine Muskel werden schwellen; kurz er wird ein wahrer Zorniger zu sein scheinen, ohne es zu sein, ohne im geringsten zu begreifen, warum er es sein sollte." (Gotthold Ephraim Lessing. Hamburgische Dramaturgie. Drittes Stück. Den 8ten Mai 1767)
"Bei Kindern und dem Volk der Sinne, bei Weibern, bei Leuten von zartem Gefuehl, bei Kranken, Einsamen, Betruebten wirken sie tausendmal mehr als die Wahrheit selbst wirken wuerde, wenn ihre leise, feine Stimme vom Himmel toente ... Das Wort ist weg und der Ton der Empfindung toent. Dunkles Gefuehl uebermannt uns, der Leichtsinnige graust und zittert nicht ueber Gedanken, sondern ueber Silben, ueber Toene der Kindheit, und es war Zauberkraft des Redners, des Dichters, uns wieder zum Kinde zu machen. Kein Bedacht, keine Ueberlegung, das blosse Naturgesetz lag zum Grunde: Ton der Empfindung soll das sympathetische Geschoepf in denselben Ton versetzen!" (Johann Gottfried Herder: Abhandlung ueber den Ursprung der Sprache)
"Der griechische Künstler insbesondere empfand im Hinblick auf diese Gottheiten ein dunkles Gefühl wechselseitiger Abhängigkeit: und gerade im Prometheus des Aeschylus ist dieses Gefühl symbolisirt." (Nietzsche: Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, 9.)
"Du wußtest dann selbst nicht, was du tun und wohin du dich wenden solltest; ein dunkles Gefühl, es müsse irgendwo und zu irgendeiner Zeit ein hoher, den Kreis alles irdischen Genusses überschreitender Wunsch erfüllt werden, den der Geist, wie ein strenggehaltenes furchtsames Kind, gar nicht auszusprechen wage, erhob deine Brust, und in dieser Sehnsucht nach dem unbekannten Etwas, das dich überall, wo du gingst und standest, wie ein duftiger Traum mit durchsichtigen, vor dem schärferen Blick zerfließenden Gestalten umschwebte, verstummtest du für alles, was dich hier umgab." (E.T.A. Hoffmann, Der goldene Topf, Vierte Vigilie)
"Der Kreis des zu Erfahrenden hatte sich nun erweitert, die Ansprüche waren ernster geworden, ich hatte ein dunkles Gefühl, daß es sich um Wichtiges und Schönes handle, und auch einen gewissen Drang, diesem Gefühle zu genügen." (Gottfried Keller: Der grüne Heinrich, I.16)
"Man kann sich ein dunkles Gefühl von dieser höheren Welt ohne die Imagination erwerben, man kann ohne sie gewiß zur Empfindung kommen, daß man mit «seinem Gotte» oder mit «seinem höheren Selbst» vereinigt sei, aber zu einer wirklichen Erkenntnis mit vollem Bewußtsein in heller, lichter Klarheit kann man so nicht kommen." (Rudolf Steiner: Die Stufen der höheren Erkenntnis, Imagination)
"Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen. Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei. Und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden." (Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten : Die Stufen der Einweihung, Die Vorbereitung : Die Erleuchtung : Kontrolle der Gedanken und Gefühle)
"Die Sonnewurde durch Kopernikus zum Mittelpunkt des Weltenalls, aber nicht des geistigen, sondern desphysischen Weltenalls gemacht. Darin lebt noch ein dunkles Gefühl davon, wie stark die Menschheiteinstmals die Sonne als den Mittelpunkt der Welt mit dem Christus gefühlt hat. Man muß nicht nur die äußere Erscheinung der Weltgeschichte betrachten, wie das allmählich Sitte geworden ist, sondern man muß auch die Entwickelung der Empfindungen etwas ins Auge fassen." (Rudolf Steiner: Vortrag in Dornach, 5.1.1923)
"Mein dunkles Gefühl ist, dass uns die Sprache an dieser Stelle unseres Gesprächs ein Schnippchen schlägt und die wunderlichsten Blasen treibt: Sie wissen, von was ich sprechen will. Und ich weiß auch so ungefähr, was ich sagen möchte. Und doch bin ich mir nicht sicher, ob diese erkenntnistheoretische Einordnung und die Art und Weise der sprachlichen Einbettung auch einem Dritten und Vierten erlaubt zu verstehen, was Sie und ich meinen." (Heinz von Foerster im Gespräch mit Bernhand Pörsken, in: Die Gewissheit der Ungewissheit. Gespräche zum Konstruktivismus)
"Ich versuche mich jeden Tag zu freuen, zu lachen, mich wohlzufühlen. Vordergründig geht es, doch tief in meinem Inneren sagt eine Stimme etwas anderes, ein dunkles Gefühl läßt es nicht mehr zu, dass ich Glück, Freude, Liebe empfinden kann. Nur Schmerz und Trauer, das fühle ich. Wut auch. Ich werde aggressiv, nicht gegen andere, gegen mich selbst." (http://www.freitodforum.de/archiv/msg/3104.html)
"Das waren ohngefähr die Gedanken, die damals ein dunkles Gefühl in ihm hervorbrachten, weil er sie nicht in Worte einzukleiden und sie sich nicht deutlich zu machen wußte." (Moritz: Anton Reiser, 3. Teil / 5)
"Wohl erwachte in ihr, wenn sie der Begegnung mit Henning sich erinnerte, ein dunkles Gefühl der Angst und eine heimlich warnende Stimme." (Ludwig Ganghofer: Die Martinsklause - Buch 1 - Kapitel 14)
"Wie wenig Menschen haben Genie zum Experimentieren. Der ächte Experimentator muß ein dunkles Gefühl der Natur in sich haben, das ihn, je vollkommner seine Anlagen sind, um so sicherer auf seinem Gange leitet und mit desto größerer Genauigkeit das versteckte entscheidende Phänomen finden und bestimmen läßt." (Novalis, Das allgemeine Broullion, Physikalische Kunstlehre, S. 89)
"Es entsteht in ihm ein, wenn gleich dunkles Gefühl von dem gesetzmässigen Verhalten der Laute der einen Sprache zu denen der andern. In Folge davon vermag es Wörter, die es nur aus seiner natürlichen Sprache kennt, richtig in den Lautstand der künstlichen Sprache zu übertragen."
"An dieser Stelle sah sie denn auch oft den Wolf, den ein dunkles Gefühl der Vergangenheit dahin führte; aber sie wußte nicht, daß es ihr armer Bruder war. Doch gewann sie ihn lieb, weil er sich so oft unter ihren Gesängen hinstreckte und lauschte, als verstände er etwas davon; und sie beklagte ihn wohl zuweilen, daß er ein zorniger und harter Wolf seyn mußte und nicht flattern konnte und fliegen von Zweigen zu Zweigen, wie sie und andere Vögelein. Und nun muß ich auch noch von einem Manne erzählen, der in dem einsamen Walde zuweilen der Zuhörer der kleinen Nachtigall war." (Arndt Ernst Moritz, Der Wolf und die Nachtigall, Seite 2)
"Jenes hastige Fehlgreifen aber ((amartia)), das eigentlich nicht hätte sein sollen, macht sich als dunkles Gefühl von Schuld bemerkbar, einer Schuld aber, die nicht aus bösem Willen des Einzelnen stammt, sondern die dem ganzen Menschengeschlechte als ein Erbteil anhaftet und der daher das Merkmal der Unvermeidlichkeit zukommt; dies um so mehr, als ja die Liebe, die dem mythischen Urmenschen in jener kritischen Stunde zu Hilfe kam, nicht sein Werk ist, sondern ihm von der Natur geschickt wurde mit dem Anspruch erfüllt zu werden. So ist der Mensch in der Erbsünde zugleich unschuldig." (Hans Blüher: Die Achse der Natur, Der Eros als Organ für die Person)
"Für Schopenhauer ist der Wille gleichsam der Dampf, der die allerverschiedensten Maschinen treibt. Der Wille lebt zwar nur in seinen einzelnen Akten, aber was diese zu Willensakten macht, lässt sich nicht aus derselben Art von Ursachen erklären, wie was sie zu einzelnen macht. In jedem Fall scheint mir darin ein sehr allgemeines und tiefes, wenngleich dunkles Gefühl zum Ausdruck zu kommen, dasselbe, das in uns eine Unendlichkeit hineinlegt, das unser Ich, obgleich sein Leben sich nur in endlichen Einzelinhalten offenbart, dennoch als ein Unendliches empfinden lässt." (Georg Simmel: Schopenhauer und Nietzsche II. Ein Vortragszyklus)
dunkles Gefühl als ein fester Inhalt seine Bedeutung geben konnte, eine solche wirklich erhalten, so bedarf es einer näheren Präzision des realen Vorganges, den man unter ihm verstehen kann. Als dieses letzte, konkrete Element ist, worauf ich jetzt zurückkomme, die Muskelarbeit behauptet worden; und wir fragen nach dem Rechte dieser Behauptung, nachdem wir ihren Beweis aus der Kostenlosigkeit der geistigen Arbeit oben in seiner Gültigkeit beschränkt haben. Ich will nun von vornherein gestehen: ich halte es nicht für schlechthin ausgeschlossen, daß einmal das mechanische Äquivalent auch der psychischen Tätigkeit gefunden werde." (Georg Simmel: Philosophie des Geldes, Fünftes Kapitel: Das Geldäquivalent personaler Werte. Teil III, Duncker & Humblot Verlag, Berlin 1900, 1. Auflage S. 466f.)
"Aber es war ein dunkles Gefühl in mir, als habe ich geruht im Schoose diese Meeres und sey ihm entstiegen, wie die andern Gestalten. Und ich schien mir ein Tropfen Thau, und bewegte mich lustig hin und wieder in der Luft, und freute mich, daß die Sonne sich in mir spiegle, und die Sterne mich beschauten." (Karoline von Günderrode: Apokaliptisches Fragment)
"Aber noch mehr erbebt der Geist des Menschen vor dem Gedanken der mit einem einzigen Schlag gegebenen Entscheidung. In einen Punkt des Raumes und der Zeit ist hier alles Handeln zusammengedrängt, und in solchen Augenblicken regt sich in uns ein dunkles Gefühl, als ob sich unsere Kräfte in diesem engen Raum nicht entwickeln und tätig werden könnten, als ob wir mit der bloßen Zeit schon viel gewonnen hätten, wenn auch diese Zeit uns gar nichts schuldig ist. Dies ist eine bloße Täuschung, aber auch als Täuschung ist es etwas, und eben diese Schwäche, welche den Menschen bei jeder anderen großen Entscheidung anwandelt, kann sich im Feldherrn stärker regen, wenn er einen Gegenstand von so ungeheurem Gewicht auf eine Spitze stellen soll." (Carl von Clausewitz: Vom Kriege, IV. Das Gefecht, 11. Fortsetzung (Der Gebrauch der Schlacht))
"Großheit erregt ein mit Ehrfurcht verbundenes dunkles Gefühl der Würde und Vortrefflichkeit einer Person. Majestät ist nur ein höherer Grad von Großheit, und beide können auch ohne eine über das gemeine Maß hinaus gehende körperliche Größe (Procerität) Statt finden, wiewohl diese unstreitig ein beträchtliches dazu beyträgt, das Gefühl und Vorurtheil von Großheit und Majestät zu erregen." (Christoph Martin Wieland: Oberon, Glossarium AK)
"Wir antworten, nur auf den neuen Irrtum der Argumentation Rücksicht nehmend, folgendes: Erfahrungsmäßig mißlingt, wo wir uns urteilend entschieden haben, jedweder Versuch, die Überzeugung, von der wir eben erfüllt sind, aufzugeben und den gegenteiligen Sachverhalt anzunehmen; es sei denn, daß neue Denkmotive auftauchen, nachträgliche Zweifel, ältere und mit der gegenwärtigen unverträgliche Überzeugungen, oft nur ein dunkles 'Gefühl' feindlich aufstrebender Gedankenmassen. Der vergebliche Versuch, der gefühlte Widerstand u. dgl., das sind individuelle Erlebnisse, beschränkt auf Person und Zeit, gebunden an gewisse, exakt gar nicht bestimmbare Umstände. Wie sollten sie also Evidenz begründen für ein allgemeines, Person und Zeit transzendierendes Gesetz?" (Husserl: Logische Untersuchungen, Fünftes Kapitel. Die psychologischen Interpretationen der logischen Grundsätze. Erster Band, Max Neimeyer: Halle a.S., 1922. S. 90)
"Immer näher kam er seinem Schicksal und je näher er kam, desto stärker wurde ein unscharfes, dunkles Gefühl, das gleich einer giftigen Pflanze langsam in seinem inneren aufkeimte." (michael ebert-hanke '2000: Traumzeit)
"Ich kann den Ekel und Überdruss mit aller meiner Mühe nicht vermeiden; ich werde unzufrieden; alles wird mir zur Last und ich selbst. Ich zerstreue mich; aber ich spüre bald, dass ich meinen Unmut zwar auf eine kleine Zeit vergesse, aber nicht hebe. Ich nehme meine Zuflucht zu meinen gewohnten Vergnügungen, zu den unschädlichsten, die ich kenne; allein in diesen trüben Stunden habe ich gleichsam den Geschmack daran verloren; sie sind itzo das nicht, was mich befriedigenkann; meine ekle Seele stößt sie von sich und bleibt in ihrer unstetigen und trostlosen Verwirrung. Es ist ein dunkles Gefühl von Sehnsucht und einem geheimen Leeren in mir, das mich zu Boden drückt, das mich verzehret. Ich Unglückseliger! Was will ich denn? Und wie ist mir geholfen?" (JOHANN JOACHIM SPALDING: Die Bestimmung des Menschen, 1748)
" An und für sich war es der gleiche Bund des Gesetzes, den Gott mit Adam geschlossen hatte, der dann aber übertreten worden war und von dem gefallenen Menschen nicht erfüllt werden konnte, derselbe Bund des Gesetzes, von dem ein jeder Mensch noch ein dunkles Gefühl in seinem Gewissen zurückbehalten hat, und der später zur Demütigung des Menschengeschlechts auf dem Berge Sinai in Stein geschrieben wurde." (Andacht von Rosenius zu Hesekiel 37,26)
"Mir selbst kam nur ein dunkles Gefühl von alledem; es war wie Traumwachen." (Theodor Storm: Auf der Universität Lore)
"Er war erschreckt, nicht durch die Gegenwart des gefürchteten Feldherrn, sondern durch das Unheimliche dieses späten Besuches. Ein dunkles Gefühl zwang ihn, denselben mit seinem Schicksale in Zusammenhang zu bringen." (Conrad Ferdinand Meyer: Gustav Adolfs Page, Novelle, 1. Kapitel)