Diskussion: Realität als Droge
[Einschub: ein philosophisches Zwiegespräch zwischen Nemesis und Tinúviel. Ersterer verwendete hier aber zum Teil
einen anderen Nickname, den ich vorsichtshalber dann verbessert habe. Die mit > markierten Zeilen sind jeweils Kopien aus
dem vorherigen Brief]
Nemesis am 13.12.99:
Werthe Geschöpfe der Nacht !
Es mag seltsam klingen,die Realität mit einer Droge vergleichen zu wollen,und doch beschäftigt mich dieser Gedanke seit geraumer Zeit. Ich möchte
Euch auch kurz darlegen,warum das so ist :
Die Neugierde ist dem Menschen bekanntlich angeboren. Sie führt Ihn dazu,alles zu hinterfragen,was sich denn nun so in seinem Umfeld befindet.
Nehmen wir nun einmal an,unser kleines Menschlein würde dabei auf eine Art höhere Erkenntnis stoßen,eine Wahrheit jenseits der anerkannten
Wirklichkeit. Was würde geschehen ? Grundsätzlich hat er die Wahl : Verdrängen und vergessen oder aber weiterforschen. Soweit die Theorie.
DOCH : Kann ein Mensch wirklich verdrängen und vergessen,was er gesehen,erfahren,gefühlt,erlernt hat ? Hierbei sollte man auch bedenken,daß der
normale Durchschnittsbürger meist gar keinen wirklichen Einblick in die Realität hinter unserer Alltagswirklichkeit erhält. Ich rede von den
Menschen,denen ein solcher Einblick möglich war,die also schonmal keine "Ottonormalverbraucher" - ist nicht abwertend gemeint - mehr sind. Sind
diese Menschen nicht dazu prädestiniert weiterzusuchen ? Damit kommen wir zum Kern meiner Frage : Können solche Menschen überhaupt noch Ihre
Erkenntnis leugenen und sich wieder in die Gesellschaft eingliedern,als ein Schaf unter Schafen ?
Oder wird etwas in Ihnen,sei es nun Neugier oder was auch immer,sie nicht dazu treiben,weiter nach der Wahrheit hinter der Wahrheit zu suchen ?
Haben sie wirklich noch eine Wahl ? Oder sind sie "realitätssüchtig",dazu gezwungen,immer
weiter zu suchen und zu hinterfragen,auch wenn sie merken,daß sie sich der Alltagswirklichkeit entfremden,sich vielleicht sogar selbst schaden ?
Gehen wir noch einen Schritt weiter : Gerade im Zusammenhang mit den Liedtexten der Toten Hosen,die die Wirklichkeit in sehr drastischer Form
darstellen,stellte sich mir die Frage : Wenn Realität wie eine Droge sein kann,
gibt es dann nicht auch eine Realitätsüberdosis ? Einen Zeitpunkt,an dem der für solche Dinge eben empfängliche Mensch merkt,daß er die Realität -
genauer gesagt das,was die Mehrheit der Menschen aus ihr gemacht hat - nicht mehr ertragen kann ? Und wenn nun diese Erkenntnis zusammenfällt mit
dem "Zwang",
dennoch weitersuchen zu müssen,was geschieht mit einem solchen Menschen ?
Er befindet sich in einem Zustand,den ich "Overdrive - Modus" nenne : Maximale Systemüberlastung. Ist nun Selbstmord die zwangsläufige Folge ?
Oder wird ein solcher Mensch,wenn er das nicht schon getan hat,auf die Dunkle Seite überwechseln,um in einer Gemeinschaft Halt zu finden ? Kann
Ihm die Seite des Lichtes noch helfen ? Und wie lange kann ein Mensch im "Overdrive - Modus" überleben,bis er physisch und psychisch
zusammenbricht ?
Viele Fragen und harter Tobak,gebe ich zu. Aber ich dachte mir,daß diese Fragen für viele Geschöpfe der Nacht nicht nur interessant,sondern von
essentieller Bedeutung sein könnten. Macht Euch ´mal Eure Gedanken dazu,bin gespannt,was so an Reaktionen herauskommt.
Tinúviel am 22.12.99:
Willkommen in meiner Gedankenwelt!
Wenn ich hier schon ständig von der Gestalt zitiert werde, die sich hinter den Prinzipien "Nemesis" und **zensiert** verbirgt, möchte ich selbst meinen
Beitrag zu diesem Thema liefern.
Zunächst einmal ein Kompliment an Nemesis: den sogenannten modernen Menschen mit Schafen zu vergleichen ist ein netter Ansatz. So wie der allg.
Mensch von diesem Getier denkt, müßte er sich selbst sehen - dümmlich, nur fähig innerhalb der Grenzen seiner Weide bestehend und abhängig von
der Herde und den "Schäferhunden", welche für das Schaf/den modernen Menschen die Gleise legen, auf denen er/das Schaf dahingleiten werden.
Ein einziges Geboren werden, Kopulieren, Sterben. Dazu das Protektorat der Konsummassengesellschaft; der kapitalorientierte Marktwert als Ersatz
für die christliche Seele oder das buddhistische Karma.
Dieser angepaßte Mensch, der seine Schafherde als höchstes Prinzip ansieht und die Schäferhunde=Prädigmen einer empirischen Welt niemals
hinterfragt, für den bleibt Realität nur Kulisse. Er ist ein arbeitendes Programm, eine Schraube in der Mechanik der Konsumgesellschaft.
Seine kleine Existenz versteht sich nur als gottesfürchtiges Bestehen in einer gottgewollten Arbeitswelt.
Nur daß dieser Gott nicht mehr immer Jahwe oder Allah ist.
Dies ist der Allgemeine Mensch, der immer wieder auf seine Maske zurückgreift, wenn es Erlebtes zu sublimieren, zu kompensieren gilt.
Alle anderen kennen das Gefühl der Trance, das Gefühl, in einer Scheinwelt zu leben. Sie wissen, daß das Funktionieren eines Menschen nicht alles ist.
Die Realität ist für sie eine kosmische Welt. Es gibt noch Mythen und das Betrachten einer alten Birke ergibt für sie mehr als nur irgendein organisches
Objekt, plaziert im Raum-Zeit-Kontinuum, man kann zurückblicken zu keltischen Druiden, zu den Baumgöttern der Germanen.
Sollte wirklich jemand jenseits die Realität blicken, heraus aus Platons Höhle und geläutert mit höherer Erkenntnis zurückkehren, wird er wie Cassandra
im Trojanischen Krieg wahr sprechen, aber für geistig verwirrt gehalten werden, um dann nach dem Ausschluß aus der Schafherde aus dem jenseitigen
Raum den Untergang derselben zu beobachten, bis man dann selbst einsam stirbt.
Nemesis am 23.12.99:
Grüß Dich,Doc !
[...]
Haarscharf an der Fragestellung vorbeigeschossen. Es stimmt zwar alles,was Du sagst - *Komplimentzurückgeb* *ggg* - ,zumal aus
einer etwas nihilistisch geprägten Perspektive,aber Du hast Dich nicht mit meiner Theorie auseinandergesetzt. Der Mensch,der sich nun vom Schaf
wegentwickelt hat,wird ausgegrenzt. Aber nur durch die Gesellschaft ? Verliert er nicht vielmehr die Fähigkeit,seine Aufgabe als einfaches Glied in der
Kette zu erfüllen ? Dann,so schreibst Du weiter,stirbt er einsam. Muß das sein ? Gibt es nicht noch mehr Nicht - Schafe ? Was,wenn diese eine eigene
Gemeinschaft, eine Art 2. Gesellschaft, bilden ? Welche Bedeutung hätte das für die Schafe bzw. für die Nicht - Schafe ?
Dann hast Du Dich noch nicht zur Frage einer möglichen "Realitäts - Überdosis" geäußert,außerdem vermisse ich einen Kommentar zur Frage,wie lange
ein Mensch im "Overdrive - Modus" überleben kann. Ich hake hier nochmal nach,weil diese Fragen ja entscheidend sind.
Tinúviel am 01.01.2000:
>Der Mensch,der sich nun vom Schaf wegentwickelt hat,wird ausgegrenzt. Aber nur
>durch die Gesellschaft ? Verliert er nicht vielmehr die Fähigkeit,seine Aufgabe
>als einfaches Glied in der Kette zu erfüllen ?
Hier liegt die Wurzel, die Basis für deine zweite Frage. Er denkt und die Konsequenz ist die Sinnfrage - Wer bin ich!? Was soll das sinnlose Treiben in
der Gesellschaft? Broterwerb zur Finanzierung eines Überwohlstands durch Massenkonsum. Er klinkt aus. Legt sein Schaf-Sein ab. Kann nie wieder
zurück.
>Dann,so schreibst Du weiter,stirbt er einsam. Muß das sein ? Gibt es nicht noch
>mehr Nicht - Schafe ? Was,wenn diese eine eigene Gemeinschaft,eine Art 2.
>Gesellschaft,bilden ? Welche Bedeutung hätte das für die Schafe bzw. für die
>Nicht - Schafe ?
Mein Bild der Schafherde gedachte nur einem einzelnen Schaf, das verendet, ehe es Gleichgesinnte finden konnte. Was die Realität betrifft - wir
scheitern oft an den Masken, welche die Gesellschaft uns zu tragen auferlegt. Rein hypothetisch wäre die Rebellion in einer Art "2. Gesellschaft"
möglich, (ich versuche es zu realisieren, doch wie oft sehe ich die Masken, die sich durchsetzen, wie oft brauchen die Menschen Drogen, um sich von
ihnen zu befreien, wie schwer fällt einem selbst, zu erkennen, daß man auch Masken trägt, gläserne Masken, die einem das Spiegelbild nicht verrät)
Doch es ist ja nicht so, daß das Establishment sich nicht wehrt! Ein Freund hat einmal ein Gedicht [The Hall/Die Halle] geschrieben
von einer weißen Halle von flockigem Saum, die Gesellschaft, wie sie sich dem Neugeborenen begegnet. Doch dieser erwacht und der weiße Saum
verwandelt sich in klebrigen schwarzen Teer, der einen gefangen hält im Glaskasten und erstickt.
Der Status quo ist zu stark!! Wir brauchen scheinbar wirklich etwas Chaos, um das System zu zerbrechen, um die Lethargie zu zerbrechen, in der die
Menschen schwilgen und sich sicher hinter dem Leid in Fernost verstecken.
>Dann hast Du Dich noch nicht zur Frage einer möglichen "Realitäts - Überdosis"
>geäußert,außerdem vermisse ich einen Kommentar zur Frage,wie lange ein Mensch
>im "Overdrive - Modus" überleben kann. Ich hake hier nochmal nach,weil diese
>Fragen ja entscheidend sind.
Der Overdrive-Modus ist ja eigentlich die positive entsprechung der Überdosis, nur dass man hier wohl dem Trugschluß erliegt, eine Überdosis müsse
auch hier zwangsläufig zum Ende führen. Das menschliche Bewußtsein scheint mir nur so angelegt, daß es nicht andauernd diesen OMode erleben kann.
Eine als Verstärker fungierende Droge kann so wirken oder eine besondere Sensiblität in der Sinneswahrnehmung oder in einer gewissen
Bewußtseinsebene, ebenso die Überwältigung durch beinahe mystische Ästhetik oder philosophische Tiefe.
Ein Beispiel: ich habe mit einem Freund am Abend des 23. Weihnachtskarten geschrieben - die Empfänger waren zum größten Teil weder Christen auf
dem Papier noch im Geiste. Außerdem ging es uns nicht um das montone Rühren einer Gebetstrommel, deren Bedeutung fremd geworden ist. Also
schrieben wir persönlichste Lyrik - Verse, die so bedeutsamst erschienen, daß sich Türen öffneten, erschlossen durch diese kleinen Aphorismen - wie
Objetivationen heglianischer Vorstellung manifestierten sich Gespinste aus Gedanken, die eine eigene Welt entstehen ließen. Und Hoffnung.
Viele Grüße.
Nemesis am 01.01.2000:
Grüß Dich,Dr.A !
[...]
>Hier liegt die Wurzel, die Basis für deine zweite Frage. Er denkt und die Konsequenz ist die Sinnfrage - Wer bin ich!? Was soll das sinnlose Treiben
>in der Gesellschaft? Broterwerb zur Finanzierung eines Überwohlstands durch Massenkonsum. Er klinkt aus. Legt sein Schaf-Sein ab. Kann nie wieder
>zurück.
Also doch auserwählt und verflucht in einem ? Nach unseren zahlreichen gescheiterten Versuchen,den Menschen philosophisches Denken im weitesten
Sinne nahezubringen,bin ich durchaus gewillt,das jetzt zu glauben ... *seufz*
Vernunft wird zum Privileg,weil Geld das Denken unnötig macht ...
>Mein Bild der Schafherde gedachte nur einem einzelnen Schaf, das verendet, ehe es Gleichgesinnte finden konnte. Was die Realität betrifft - wir
>scheitern oft an den Masken, welche die Gesellschaft uns zu tragen auferlegt. Rein hypothetisch wäre die Rebellion in einer Art "2. Gesellschaft"
>möglich, (ich versuche es zu realisieren, doch wie oft sehe ich die Masken, die sich durchsetzen, wie oft brauchen die Menschen Drogen, um sich von
>ihnen zu befreien, wie schwer fällt einem selbst, zu erkennen, daß man auch Masken trägt, gläserne Masken, die einem das Spiegelbild nicht verrät)
Natürlich tragen wir alle Masken,mehr oder minder bewußt. Allerdings meinte ich keine Rebellion,ich wollte auf Randgruppen innerhalb der
Gesallschaft hinaus,wie z.B. die Gothic - Szene. Hierbei stellt sich natürlich immer wieder die Frage der Anpassung. Anpassen müssen sich ja alle,es
kommt nur auf den Grad der Anpassung an.
>Doch es ist ja nicht so, daß das Establishment sich nicht wehrt! Ein Freund hat einmal ein Gedicht geschrieben von einer weißen Halle von flockigem
>Saum, die Gesellschaft, wie sie sich dem Neugeborenen begegnet. Doch dieser erwacht und der weiße Saum verwandelt sich in klebrigen schwarzen
>Teer, der einen gefangen hält im Glaskasten und erstickt.
>Der Status quo ist zu stark!! Wir brauchen scheinbar wirklich etwas Chaos, um das System zu zerbrechen, um die Lethargie zu zerbrechen, in der die
>Menschen schwilgen und sich sicher hinter dem Leid in Fernost verstecken.
Stimmt schon. Aber ich weiß nicht recht,ob die Gesellschaft wirklich der Schlüssel zu allem ist ... Ich meine,viele Probleme liegen im Menschsein selbst
begründet. Der Unterschied ist,daß gesellschaftliche Probleme - theoretisch wohlgemerkt ! - überwunden werden können. [...]
>Der Overdrive-Modus ist ja eigentlich die positive entsprechung der Überdosis, nur dass man hier wohl dem Trugschluß erliegt, eine Überdosis müsse
>auch hier zwangsläufig zum Ende führen.
Einspruch. *g* Der OM ist die VORSTUFE zur Überdosis,inwiefern die Überdosis zwangsläufge Folge ist,sei allerdings erst einmal dahingestellt.
Das menschliche Bewußtsein scheint mir nur so angelegt, daß es nicht andauernd diesen OMode erleben kann. Eine als Verstärker fungierende Droge
kann so wirken oder eine besondere Sensiblität in der Sinneswahrnehmung oder in einer gewissen Bewußtseinsebene, ebenso die Überwältigung durch
beinahe mystische Ästhetik oder philosophische Tiefe.
>Ein Beispiel: ich habe mit einem Freund am Abend des 23. Weihnachtskarten geschrieben - die Empfänger waren zum größten Teil weder Christen
>auf dem Papier noch im Geiste. Außerdem ging es uns nicht um das montone Rühren einer Gebetstrommel, deren Bedeutung fremd geworden ist. Also
>schrieben wir persönlichste Lyrik - Verse, die so bedeutsamst erschienen, daß sich Türen öffneten, erschlossen durch diese kleinen Aphorismen - wie
>Objetivationen heglianischer Vorstellung manifestierten sich Gespinste aus Gedanken, die eine eigene Welt entstehen ließen. Und Hoffnung.
Ohne zynisch werden zu wollen : Das klingt fast so : Wenn schon verdammt,dann richtig ! *g* Ich meine,der OM ist etwas Negatives und Schädliches.
Warum es mit Drogen etc. künstlich herbeiführen ? Höhere Erkenntnis um den Preis des eigenen Lebens ? Hier kommen wir jetzt in eine andere,sehr
schwierige Problematik ... Fest steht,daß - wie ja auch bei den "Hilfsmitteln",wie Drogen etc. - der OM der physischen und psychischen Gesundheit
eines Menschen abträglich sein kann. Im schlimmsten Falle vielleicht sogar tötlich ...
Dito. CN.
Tinúviel am 02.01.2000:
Gruß an die Nacht.
Der Nihilsmus war noch nie das Alleinige. Facettenreich betrachte ich das Sein.
>Allerdings meinte ich keine Rebellion,ich wollte auf Randgruppen innerhalb der Gesallschaft hinaus,wie z.B. die Gothic - Szene. Hierbei stellt sich
>natürlich immer wieder die Frage der Anpassung. Anpassen müssen sich ja alle,es kommt nur auf den Grad der Anpassung an.
>Stimmt schon. Aber ich weiß nicht recht,ob die Gesellschaft wirklich der Schlüssel zu allem ist ... Ich meine,viele Probleme liegen im Menschsein
>selbst begründet. Der Unterschied ist,daß gesellschaftliche Probleme - theoretisch wohlgemerkt ! - überwunden werden können.
Randgruppen sind eine Zeitfalle. Ich bin mir ziemlich sicher, daß sie als "Jugendkultur" bestehen können, aber im gesetzen Alter in der Regel zerfallen
und von jenem Teer (s.o.) zersetzt werden. Schau sie dir doch an - die Mitglieder ehemaliger Randgruppen. Was auch immer man vom sog. "Hippie"
hält oder hielt, viele sind vollkommen assimiliert, wie man so schön sagt!!!!!
Was deine Trennung von Menschsein und Gesellschaft angeht - hier eine kleine Parabel: Der denkende Mensch, ein Idealist wohlbemerkt, träumt von
der perfekten Welt, einer Welt ohne Geld, ohne Haß, träumt vom Kantischen Weltfrieden. Doch die Utopie die er in seinen gedanklichen Horizonten
entwirft, entpuppt sich in den Umsetzungsversuchen lange nach dem Tod des Denkendes als totalitäre Diktatur. Doch die Romanfiguren in seinen
Werken entpuppen sich unter moderner Betrachtungsweise als Zombies mit nur rudimentären Menschenzügen.
Das Menschsein spiegelt sich doch schon irgendwo in der Gesellschaft. Er mag mit seinem System nicht glücklich sein, doch der ALLGEMEINE
Mensch braucht diese Gesellschaft, um sein einfaches Schafsein fortzuführen.
[...]
>Einspruch. *g* Der OM ist die VORSTUFE zur Überdosis,inwiefern die Überdosis zwangsläufge Folge ist,sei allerdings erst einmal dahingestellt.
Das bleibt unrichtig. Eine Dosis Realität erfährt auch das Schaf - das, was wir meinen (ich hoffe doch auch du), ist mehr als das, so verstehe ich deinen
Overdrive. Eine Über-dosis mit lethaler Wirkung kann ich mir nicht vorstellen. Alles andere ist nur ein Abwenden vom gedankenlosen Sein.
[...]
>Ich meine,der OM ist etwas Negatives und Schädliches.
Ich weiß nicht, ob diese Bermerkung noch zum kleinen Zynismus gehörte, aber ich sehe nicht ein, warum der OM schädlich sein soll. Natürlich ergibt es
einen Sinn, wenn du OM = Drogenrausch setzt, weil die lieben Drogen ja so etwas wie Nebenwirkungen - z.B. physische und psychologische
Abhängigkeit - hervorrufen.
Ich bin von keinen solchen Drogen abhängig, höchstens von dem Sch... Nikotin, doch das werde ich sicherlich auch noch in den Griff kriegen!
Also bitte verstehe mich nicht als Drogenabhängiger, der in illusionären Traumwelten schwebt, sie mit der Realität verwechselt. Mir geht es mehr um
eine neue Religiösität/Mystik! Um Erkenntnis, aber nicht um die Archivierung irgendwelchen Schulwissens! Ich will wissen, wer ich bin - daß ich mehr
bin als irgendso ein Arbeiter im Sumpf des Vergessens, der Zeit seines lebenslangen Sterbens an dem einen Fließband steht. Vielleicht ist es auch nur
der typisch menschliche Minderwertigkeitskomplex im Angesicht der [scheinbaren] Unendlichkeit des Universums. Doch bitte hilf mir zu verstehen, zu
erkennen.
Nemesis am 03.01.2000:
Grüß Dich !
[...]
Zunächst einmal möchte ich mich in aller Form entschuldigen,sollte unsere unterschiedliche Auffassung über den "Overdrive - Modus" dazu geführt
haben,daß Du nun glaubst,ich hielte Dich für einen drogenabhängigen Spinner ... *SORRY*
Dem ist nicht so,Du bist vielmehr einer der brilliantesten Philosophen,die ich bisher kennenlernen durfte.
>Randgruppen sind eine Zeitfalle. Ich bin mir ziemlich sicher, daß sie als "Jugendkultur" bestehen können, aber im gesetzen Alter in der Regel zerfallen
>und von jenem Teer (s.o.) zersetzt werden. Schau sie dir doch an - die Mitglieder ehemaliger Randgruppen. Was auch immer man vom sog. "Hippie"
>hält oder hielt, viele sind vollkommen assimiliert, wie man so schön sagt!!!!!
Eben. Hier haben wir wieder die Frage nach dem OM. Kann man ein Leben lang Rebell sein,ohne sich dabei aufzureiben wie ein Radiergummi ? Das
Anderssein fordert seinen Preis. Wie lange hält man das aus ? Ich,als ein sehr schwacher Mensch,wohl nicht sehr lange ...
>Das Menschsein spiegelt sich doch schon irgendwo in der Gesellschaft. Er mag mit seinem System nicht glücklich sein, doch der ALLGEMEINE
>Mensch braucht diese Gesellschaft, um sein einfaches Schafsein fortzuführen.
Eben. Daher ist die Gesellschaft allein auch nicht der Schlüssel. Der liegt wohl eher im Sein der Schafe begründet. Abbau von Vorurteilen und mehr
Toleranz für Andersdenkende wären hier wohl die richtigen Ansätze.
[...; Anmerkung: >>: hier wird ein Zitat zitiert.]
>>Einspruch. *g* Der OM ist die VORSTUFE zur Überdosis,inwiefern die Überdosis zwangsläufge Folge ist,sei allerdings erst einmal dahingestellt.
>Das bleibt unrichtig. Eine Dosis Realität erfährt auch das Schaf - das, was wir meinen (ich hoffe doch auch du), ist mehr als das, so verstehe ich
deinen Overdrive. Eine Über-dosis mit lethaler Wirkung kann ich mir nicht vorstellen. Alles andere ist nur ein Abwenden vom gedankenlosen Sein.
Das trifft es nicht ganz. Der OM steht für die Überforderung des Menschen,der mit der neuen,der echten Realität nichts anfangen kann,der er dem alten
Denken noch immer verhaftet ist. Er steht unter einem Realitäts - Schock. Kommen nun sehr viele dieser neuen Eindrücke auf einmal über Ihn,läuft
quasi sein Gehirn heiß - er gerät in den OM,alle Systeme stehen auf maximaler Überlastung. Der physische und psychische Breakdown ist nun die
Folge,ob und wann dieser Eintritt,hängt allerdings von äußeren Faktoren ab und vor allem davon,ob dieser Mensch in seinem neuen Sein Stand finden
kann (jetzt klinge ich schon wie Heidegger ... *ggg*). Unter dieser Prämisse wird Vernunft zum umstrittenen "Privileg" weniger,eine Aufklärung der
Schafe wäre zu verurteilen,weil sie einer solchen Überlastung nicht standhalten würden. Auserwählt und verflucht ...
[...]
>>Ich meine,der OM ist etwas Negatives und Schädliches.
>Ich weiß nicht, ob diese Bermerkung noch zum kleinen Zynismus gehörte, aber ich sehe nicht ein, warum der OM schädlich sein soll. Natürlich ergibt
>es einen Sinn, wenn du OM = Drogenrausch setzt, weil die lieben Drogen ja so etwas wie Nebenwirkungen - z.B. physische und psychologische
>Abhängigkeit - hervorrufen.
>Ich bin von keinen solchen Drogen abhängig, höchstens von dem Sch... Nikotin, doch das werde ich sicherlich auch noch in den Griff kriegen!
>Also bitte verstehe mich nicht als Drogenabhängiger, der in illusionären Traumwelten schwebt, sie mit der Realität verwechselt. Mir geht es mehr um
>eine neue Religiösität/Mystik! Um Erkenntnis, aber nicht um die Archivierung irgendwelchen Schulwissens! Ich will wissen, wer ich bin - daß ich mehr
>bin als irgendso ein Arbeiter im Sumpf des Vergessens, der Zeit seines lebenslangen Sterbens an dem einen Fließband steht. Vielleicht ist es auch nur
>der typisch menschliche Minderwertigkeitskomplex im Angesicht der [scheinbaren] Unendlichkeit des Universums.
Ich denke,ich habe dazu ja schon am Anfang dieses Textes Stellung genommen. Auch dürfte jetzt klar sein,warum aus meiner Sicht der OM schädlich
ist. Zudem gibt es ja zwei Arten von Nicht - Schafen : Die einen sind sozusagen die Philosophen,sie suchen nach der Wahrheit und sind auch
bereit,dafür einen gewissen Preis zu zahlen. Leute wie wir beide. Die anderen haben eine höhere Erkenntnis durch Ihre Lebensumstände
gewonnen,ohne sie gewollt zu haben. Sie würden gerne alle Erkenntis der Welt dafür geben,um die Quahlen,die sie bis zu dieser Erkenntnis erleiden
mußten,ungeschehen zu machen und endlich Ruhe zu finden. Hier finden sich auch die meisten Selbstmörder ...
[...]
Dito. Carpe Noctem et Fiat Tenebris !
Tinúviel am 03.01.2000:
Erwachet![...]
In der Nacht schwinden in den Schatten die ewigen Grauheiten dieser Welt....
>Zunächst einmal möchte ich mich in aller Form entschuldigen,sollte unsere unterschiedliche Auffassung über den "Overdrive - Modus" dazu geführt
>haben,daß Du nun glaubst,ich hielte Dich für einen drogenabhängigen Spinner ... *SORRY*
Entschuldigung angenommen.
>Eben. Hier haben wir wieder die Frage nach dem OM. Kann man ein Leben lang Rebell sein,ohne sich dabei aufzureiben wie ein Radiergummi ?
Das ist eben die Frage, bis zum Galgenholz oder zur Todeszelle? Oder schreitet
man beim Verlassen der HALL in das fernste Jenseits, nistet sich ein in prachtvoller Einöde und läßt die Menschen ihr Sein in der Ferne absitzen.
>Eben. Daher ist die Gesellschaft allein auch nicht der Schlüssel. Der liegt wohl eher im Sein der Schafe begründet. Abbau von Vorurteilen und mehr
>Toleranz für Andersdenkende wären hier wohl die richtigen Ansätze.
1. System ist nicht gleich Gesellschaft - der Mensch schafft sich ein System mit Gesetzen, Rechten und Pflichten, aber die Gesellschaft ist das Resultat,
wenn eine größere Menschenmasse sich als eine gewisse Einheit definiert und diese furchtbaren Normen sich entwicklen, welche vor allem jede
Änderung dieses Status quo unmöglich machen.
2. Der sog. "objektive" Mensch=die Gesellschaft glaubt an Normogenesen, Normen werden zu Naturgesetzen des Zusammenlebens mit Nachbar und
Fernbar. Wirkliche Toleranz ist nicht vorgesehen.
3. Toleranz allein äußert sich heutzutage bald nur noch als kuhäugige Ignoranz, dieses Schön-wieder-zurück-zur-Realität. Überall dort, wo Toleranz
nötig wäre, lachen die allg. Menschen nur über die Jerry-Springer-Show-Freaks, die anderen Kreaturen. Der Andersdenkende wird gleichbedeutend
mit Sexualverbrechern, Perversen, Schizophrenen und Unterbelichteten, nur daß man sie nicht mehr verbrennt, sondern nur noch an den
Talkshow-Pranger stellt. Ihnen Geld gibt. Sie ausnutzt als Mediengag, sogar noch hier Profit ersucht!
>Kommen nun sehr viele dieser neuen Eindrücke auf einmal über Ihn,läuft quasi sein Gehirn heiß - er gerät in den OM,alle Systeme stehen auf
>maximaler Überlastung. Der physische und psychische Breakdown ist nun die Folge,ob und wann dieser Eintritt,hängt allerdings von äußeren Faktoren
>ab und vor allem davon,ob dieser Mensch in seinem neuen Sein Stand finden kann.
Möglicherweise habe ich diese Grenze noch nicht erreicht.
>Unter dieser Prämisse wird Vernunft zum umstrittenen "Privileg" weniger,[...]
ich nehme an, du spielst auf die Schillerschen Briefe zur Ästhetischen Erziehung an, in denen neben dem Primitiven und dem mit "Geschmack" für
Ästhetik (und dann auch Moral) der nach Kant Aufgeklärte steht - eine extreme Minderzahl, zu der Schiller nur Kant, und auch nur eingeschränkt sich
selbst und den Empfänger der Briefe zählt.
>eine Aufklärung der Schafe wäre zu verurteilen,weil sie einer solchen Überlastung nicht standhalten würden. Auserwählt und verflucht ...
Laokoon und Cassandra,
begabt zu erblicken
die Bestimmung von Troia,
verdammt zu ersticken
in Unglauben und Spott -
so warten sie mit ihrer Gabe
tatenlos tätig immerfort
fragend bis zum letzen Tage.
Nemesis am 04.01.2000:
[...]
>Entschuldigung angenommen.
THX. *freu* Und denk´ zukünftig bitte nichts so Schlechtes von mir ...
>Das ist eben die Frage, bis zum Galgenholz oder zur Todeszelle? Oder schreitet
>man beim Verlassen der HALL in das fernste Jenseits, nistet sich ein in prachtvoller Einöde und läßt die Menschen ihr Sein in der Ferne absitzen.
Jetzt wirst Du auch noch romantisch ... *fg* Die einsame Insel mit Palme drauf.
Und einer Hängematte. Und zum Abrunden des Gesamtbildes eine kleine 10 Mio. - $ - Villa im Hintergrund ... *ggg* SO läßt sich der Kapitalismus
ertragen. *ggg*
Aber ernsthaft : Ausstieg als Rettung vor Diskriminierung und Verurteilung. Eigentlich ein Armutszeugnis für unsere Welt ... Und noch lange nicht für
jeden realisierbar ...
[...; zu 1:]
Naja,Ordnung und Regeln sollte es schon geben,und dazu gehören auch die Normen,ebenso wie Tugenden und Ideale. Leider führt ihr Schutz zu immer
weniger Toleranz,es geht zunehmend Spielraum verloren,bis die Gesellschaft statisch wird ... Aber deshalb zum Chaos greifen ? Wäre nicht auch eine
anpassungsfähige,dynamische Ordnung denkbar ? Ich erachte nämlich eine feste Ordnung als Halt für die Menschen,auch für die Nicht - Schafe,als sehr
wichtig.
[...; zu 2:]
Naja,vielleicht etwas hart formuliert. Normen bestimmen das Zusammenleben. Und sie werden leider oftmals nicht hinterfragt ... Aber schließen sie
Toleranz aus ? Eigentlich nicht von der Grundidee her,erst,wenn,wie oben gesagt,der Spielraum durch immer engere Grenzen immer geringer wird.
[...; zu 3:]
Das ist leider nur zu war,erinnert mich an Deinen Bericht über die "Show Freaks" ...
>Möglicherweise habe ich diese Grenze noch nicht erreicht.
Dann sei froh ! Und suche sie nicht ...
>ich nehme an, du spielst auf die Schillerschen Briefe zur Ästhetischen Erziehung an, in denen neben dem Primitiven und dem mit "Geschmack" für
>Ästhetik (und dann auch Moral) der nach Kant Aufgeklärte steht - eine extreme Minderzahl, zu der Schiller nur Kant, und auch nur eingeschränkt sich
>selbst und den Empfänger der Briefe zählt.
Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck,daß Schiller seine Ausführungen in den Briefen auf einen elitären Personenkreis beschränkt ... Wieder ´was
gelernt. *ggggg*
[...]
Tinúviel am 04.01.2000:
Schatten Nemesis, seie erleuchtet... (grins)
Du solltest bedenken, daß Normen nicht viel mit Tugenden etc. zu tun haben. Was der Mensch als normal definiert, muß noch lange nicht gut sein oder
irgendwie moralisch in Philosophie und Religion begründet sein.
[...]
>>Möglicherweise habe ich diese Grenze noch nicht erreicht.
>Dann sei froh ! Und suche sie nicht ...
Diesen OM beanspruche ich für mich zum Teil schon, nur die physische
Beeinträchtigung spürte ich noch nicht. Aber psychisch....
Übrigens Schillers "Elite" war eine Konsequenz aus den Leiden der Frz. Rev. Er erkannte, daß viele nur bruchstückweise lasen. Kant, muß man
reingelesen haben... Er glaubte ja von sich selbst nicht, diese Richtlinien voll und ganz erfüllen zu können!
[...]
Gruß aus einem grauen Glaskasten....
Doc
Nemesis am 05.01.2000:
[...]
>Du solltest bedenken, daß Normen nicht viel mit Tugenden etc. zu tun haben. Was der Mensch als normal definiert, muß noch lange nicht gut sein
oder irgendwie moralisch in Philosophie und Religion begründet sein.
Schon. Aber die Bildung von Normen läßt sich wohl kaum vermeiden. Es ist die Frage,was diese Normen zum Inhalt haben oder haben sollten.
Anzustreben wäre eine Sicherung der positiven Elemente des Status Quo,ohne dadurch in eine Art Starre zu verfallen. Dies ist in der Tat nicht bzw.
nicht nur Aufgabe von Philosophie und Ethik bzw. Relegion,sondern auch von Soziologie,Sozialpsychologie und Politik.
[...]
>Diesen OM beanspruche ich für mich zum Teil schon, nur die physische
>Beeinträchtigung spürte ich noch nicht. Aber psychisch....
Die psychische ist auch stärker. Sei vorsichtig,noch bin ich nicht so weit,daß ich Dir sagen kann,wie man sich vor einer "Realitätsüberdosis" schützen
kann.
In jedem Fall sind negative Folgen zu befürchten. Leider ...
>Übrigens Schillers "Elite" war eine Konsequenz aus den Leiden der Frz. Rev. Er erkannte, daß viele nur bruchstückweise lasen. Kant, muß man
reingelesen haben... Er glaubte ja von sich selbst nicht, diese Richtlinien voll und ganz erfüllen zu können!
Solche "Ausschlußklauseln" findet man auf der Dunklen Seite häufig. Manche sind sinnvoll,andere hingegen sollen wohl nur das Gemeinschaftsgefühl der
"Auserwählten" stärken. Schau Dir ´mal die Seite über Vampirismus [Die Seite des "Schattenteams"] unten an,da stehen ein paar interessante Dinge dazu.
Mfg.
[An sich kann man sagen, daß sich diese Diskussion in der "Selbstmord"-Debatte fortsetzt]