Die "Selbstmord"-Debatte

[Einschub: ein philosophisches Zwiegespräch zwischen Nemesis und Tinúviel. Ersterer verwendete hier aber zum Teil 
einen anderen Nickname, den ich vorsichtshalber dann verbessert habe. Obwohl hier es scheinbar bald nicht mehr allein
um Selbstmord geht, halte ich doch an der Überschrift fest, denn letztlich ist "Selbstmord" doch das zentrale Urmotiv,
auf dem die Debatte aufbaut. Die mit > markierten Zeilen sind jeweils Kopien aus dem vorherigen Brief]

Nemesis am 12.01.2000:

     Liebe Brüder und Schwestern in der Nacht !
     Immer wieder wird davon gesprochen,einige tun es dann auch,andere finden den Mut dazu nicht : Selbstmord. Das mehr oder weniger gewollte,meist
     gewaltsame Beenden des eigenen Lebens. Eine längere Diskussion,die ich per Mail geführt habe,hat mir kürzlich gezeigt,wie schwer es doch ist,einen
     Menschen vom Selbstmord abzuhalten. Zwar bin ich grundsätzlich nicht gegen Suizid,aber ich sehe meine Aufgabe als Freund immer auch
     darin,Alternativen zu diesem letzten,
     irreversiblen Schritt aufzuzeigen. Sollte es diese dann wirklich nicht geben,so sollte man auch den Wunsch des anderen,meiner Meinung
     nach,respektieren,schließlich bestimmt jede/r selbst über sein/ihr Leben. Aber meine Frage ist eine andere,daher möchte ich sie auch etwas konkreter
     stellen :
     Was genau würde es ändern,wenn ich mich heute umbringen würde ? Ich würde ein paar Pflichten und Aufgaben vernachlässigen und die Erwartungen
     einiger Menschen enttäuschen. Vielleicht würden ein paar Leute um mich trauern,auch wenn ich das nicht will. Und weiter ? War´s das ? Wenn
     ja,warum sollte ich mich dann nicht auf der Stelle,jetzt und hier,umbringen ? Meine Gegner hätten Ihre Ruhe,und ich die meinige. Keine Verantwortung
     mehr für die Leben anderer,keine Enttäuschungen mehr,keine immer neuen Wunden ...
     Gut,es könnte natürlich sein,daß manche Menschen,die mich kannten und die etwas labil sind,auf die Idee kommen,sich auch umzubringen. Aber ist es
     wirklich meine Pflicht,das zu bedenken ? Soll ich für andere leben,wenn ich es für mich nicht mehr kann/will ? Für mich ist es nur
     natürlich,Pflichterfüllung über den eigenen Willen zu stellen. Hinzu kommt meine Feigheit,die mich quasi seit 1,5 Jahren davon abhält,den letzten Schritt
     zu wagen. Aber muß das so sein ? Was,wenn nur für den Bruchteil eines Augenblickes Angst und Pflichterfüllung vergessen werden (können) ?
     Soviel als Auftakt von mir,ich hoffe,daß Ihr diese Idee ausbauen und mit stichhaltigen Argumenten untermauern könnt.
     [...]


Tinúviel am 12.01.2000:

     Werter Nemesis, 1,5 Jahre harrend...
     Nichts bleibt, Nichts ist es, was hält.
     Und doch der Tod wartet..
     Aufgeben ist ein Weg, doch ein sinnloser.
     Schön, die Welt ist es auch, doch warum es der Welt gleichtun?


Nemesis am 13.01.2000:

     Grüß Dich !
     Soll das der Schlüssel gegen den Suizid sein ? Leben als Protest,getragen von dem Wunsch,"es besser zu machen" ? Ob das Leuten mit Problemen als
     Argument genügen kann ? Sicher,Selbstmord bedeutet Flucht und Feigheit. "Lieber ein lebender Feigling als ein toter Held",so sagt man ... Was
     aber,wenn es einem egal ist,ob man nun feige ist oder nicht ? Was,wenn man keinen Wert darauf legt,
     "in guter Erinnerung" behalten zu werden ? Hier wird es zunehmend schwerer,noch stichhaltige Argumente zu finden,einen Menschen am Selbstmord zu
     hindern. Gibt es überhaupt ein Argument,was dazu in der Lage wäre ?


Tinúviel am 14.01.2000:

     Gruß an dich!
     >Gibt es überhaupt ein Argument,was dazu in der Lage wäre ?
     Nein, das dürfte es nicht geben.

     Aber um zu deiner Antwort zu kommen: ich denke, du hast dieses "warum es der Welt gleichtun" nicht so ganz bedacht. Oder anders zumindest. Ich
     denke die Flucht soll in eine höhere Sphäre führen. Wobei sich "höher" persönlich definieren läßt. Allerdings müßte man da schon Argumente haben, die
     zumindest den Tod über die Nichtigkeit des Lebens stellen. Wenn man dann aber wieder die Gewissheit der diesseitigen Nichtigkeit und die
     Ungewissheit einer jenseitigen Nichtigkeit ins Spiel bringt, steht man ziemlich am anfang wieder....

     Ich glaube, diese Diskussion ist zum Scheitern verurteilt. Ein Freund, der einmal daran dachte, es zu tun, machte es mir auch sehr schwer in dieser
     Hinsicht.
     Ich wollte das eigentlich vergessen lernen.

     Gruß.


Nemesis am 15.01.2000:

     Grüß Dich !
     Du willst vergessen lernen ? Das sind ganz neue Töne von Dir. Seit wann hindert Dich die tatsache,daß man eine Frage nicht beantworten kann,daran
     weiterzuforschen ? Ich kann mich nicht daran erinnern,daß Du je resigniert hast. Und nun das. *tztztz* Natürlich ist das Thema schwer. Es ist
     emotional,persönlich und nahezu unbeantwortbar. Und dennoch ist es wichtig,nach lösungen und Antworten zu suchen. Kopf hoch,nicht jeder
     suizidgefähedete Mensch ist dem Tode geweiht. Es geht darum,auch hier im Forum,Argumente zu finden. Stichhaltige selbige. Um zu vermeiden,daß
     sich Menschen umbringen,die es nicht hätten tun müssen.


Tinúviel am 16.01.2000:

     Hi Nemesis, 
     Kennst du das? Ein wirklich unlösbares Problem? 
     Da sind wir Menschen, 90% vielleicht einfach letharg, grau in der Masse, haben ihr auf Lebensstandard ausgerichtetes Sein und vegetieren vor sich hin
     wie Kriechgetier. Sie denken nicht. Es wurde ihnen entweder nie beigebracht oder "verlernt".
     Und dann die Lichtträger und Schatten der Nacht (s. oben bei **zensiert** oder so ähnlich), welche auf unterschiedliche Methoden vertrauend
     versuchen, dieses System zu zerbrechen.
     Doch gerade die Selbstmörder sind es, welche wach rütteln. Der Tod eines Menschen, ob nun als Verlust oder als Ende einer wahren Person, greift
     ein.
     Nur im Angesicht des Todes beginnen Menschen wahrhaft zu denken!!!

     So auch hier in der scheinbaren Realität. Eine Frau mittleren Alters, ursprünglich Lehrerin, dann Hausfrau nach der Geburt ihres ersten Kindes, sieht
     beinahe in den Spiegel des Fatum:
     Da ist eine alte Schulfreundin, welche - Musterschülerin, Klassenbeste - ebenfalls den Weg des Lehrers wählte. Auch sie gebar ein Kind, aber sie
     brach den Beruf nicht ab, sondern führte ihn fort.
     Bis sie jetzt vor zwei Wochen früh morgens aufstand, um ins kalte Wasser der Lahn zu gehen. Vor kurzem fand man ihre Leiche in einem Nebenfluß bei
     Bad Ems.
     Die Leute sagen, es wären die Schüler gewesen. Worte wie Schikanen, Schülerphobie und Meißen fallen.

     Ich weiß nicht, warum ich das jetzt schreibe, aber es ist schon erstaunlich:
     du bewältigst die Urangst des Menschen, die Ungewißheit vor dem Moment des Todes, wählst sogar eigenmächtig das Wie, erhebst dich sozusagen
     über das Fatum, doch warum?
     Vielleicht ist sie erwacht? Vielleicht hat sie etwas annähernd begriffen? Vielleicht gehörte sie zu den wenigen Menschen, die nicht zum reinen
     Broterwerb arbeiten, sondern die an eine Bestimmung glauben. Und wenn diese Selbstdefinition bricht, ist die eigene Person dahin.

     Um zu mir zurück zukommen: Ich kapituliere nicht wirklich vor dem Problem, aber ich habe mit allen Mitteln vor zwei Jahren einen
     Selbstmordgefährdeten beredet.
     Seine Rettung war schließlich, daß er vor lauter Alkohol einschlief. Der nächste Tag mochte die Sicht der Dinge etwas ändern. Ich weiß es nicht. Er lebt
     heute noch. Immerhin...
     Ich bin weder Lichtträger noch ausschließlich Kind der Nacht (und wenn dann auf eine andere Art und Weise), aber wenn ein Mensch erst im Sterben
     liegen muß, um zu erwachen bzw. glaubt im Sterben den einzigen Sinn zu erhaschen, wenn er im Begriff zu Erwachen ist, dann MUSSSSSSSSSS
     dieses verdammte System zerbrochen werden!!!

     Wir mögen auserwählt und verdammt zugleich sein, doch diese Voraussetzung gilt nur so lange, wie die Umstände, unter denen die Voraussetzung
     getroffen wurde. Und die Umstände sind das System.

     Gruß Doc 



Nemesis am 17.01.2000:

     Grüß Dich !
     Naja,ich denke nicht,daß die Gesellschaft oder das System das einzige Hindernis auf dem Weg des Menschen zu höherer Erkenntnis ist. Und ich denke
     nicht,daß wir die Macht haben,das System zu ändern. Diese Hoffnung ist bei mir schon vor fast 2 Jahren gestorben.
     Ob diese Lehrerin sich nun aus einer höheren Erkenntnis heraus umgebracht hat,aus Hoffnungslosigkeit,Verzweiflung oder einfach nur,weil sie am Ende
     Ihrer Kräfte war,sei einmal dahingestellt. Definitiv war sie ein Opfer der Gesellschaft. Aber Gesellschaft und System sind nicht dasselbe. Eine neue
     Staatsform würde die Vorstellungen der Gesellschaft nicht ändern. Um diese zu ändern,müßte man erst die Schafe "wecken",und ob das möglich ist ...
     Zudem solltest Du auch wissen,mit was du das jetzige System ersetzen willst. Denn ohne geht es nicht,ergo genügt es nicht,einfach nur das alte zu
     zerstören.
     Hier ist Staatsphilosophie gefragt.
     Soviel dazu von meiner Seite,da wir sonst zu weit vom Topik "Selbstmord" wegkommen.



Tinúviel am 18.01.2000:

     Hi
     Zuerst, ich habe mich unklar ausgedrückt, meinte ich doch bisher wirklich meistens mit "System" das politische Konstrukt, so dachte ich hier
     umfassender - an Überbau, Gesellschaft, Bewußtsein, pseudoreligiöse Wertvorstellungen, Normogenesen, das Medienmonopol, Ideale, den Untergang
     der Seele usw..
     Auf Zerstörung hin muß Aufbau folgen, schon wahr. 
     Und ein neues politisches System müßte dazu gehören. Dummerweise sind den Menschen nach dem Fall der Mauer endgültig die Alternativen
     ausgegangen. Denn alles andere wurde probiert und schließlich für nichtig erklärt. 
     Die lustige Idee der Internet-Demokratie ist noch eine dieser Utopien, die es auszuprobieren gilt. Doch ich glaube, dies würde wahrscheinlich in einer
     Hacker-Diktatur enden (*ggg*).
     Nun, aber das ist ferne Zukunft. Es gilt zunächst nicht, mephistophelische Zerstörung hin ad nil zu fabrizieren, sondern dieses SYSTEM aufzuweichen. 
     Das Erwachen ist dabei entscheidend. (Ich glaube, wir sollten das Bild der Schafherde fallen lassen, versteht jetzt eh keiner mehr). 
     Nur wie erzielen? Mein Weg ist der Schillersche (nur daß der nicht die multimedialen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts hatte - aber ich will ja auch
     keine unterschwelligen Botschaften aufzwingen, insoweit revidiert sich dieser Vorteil wieder), und er war ja von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da
     er unrealistisch war - zu idealistisch. Aber ich habe das Ziel meiner Unternehmungen ja eingeschränkt: ich will nur einen Kreis Vertrauter erschließen.
     Dies müßte möglich sein. Aber den weiteren Weg?
     Ich denke, man müßte fast jeden Einzelnen unter die Mangel nehmen im Dialog,
     nur daß es mir jetzt schon sicher ist, daß 2/6 dich auslachen wird, 3/6 antwortet, "Ich weiß ja, was du meinst...", und 1/6 wird vielleicht zumindestens
     Kommunikation entstehen lassen!
     Es ist schon grausam. Da ist ein Mensch, etwas besser als der Durchschnitt - schulisch betrachtet - erfolgreich in Beruf und Familie oder auch nicht, der
     diesen Satz oben antwortet. Doch er meint etwas anderes: innerlich erhebt sich ein Widerstand, resultierend aus Angstzuständen, die sein innersten in
     alltäglichen Kleinfreuden zu sublimieren ersucht, dieser Widerstand läßt ihn nicht in die Tiefe vordringen, und er bleibt oberflächlich, will nur den
     Wahnsinnigen abwimmeln, um den befriedigenden Zustand der selbstgefälligen Ruhe wieder zuerlangen.
     Also auch kein Gespräch. Es müßte irgendeinen psychologischen Trick geben. Etwas, was die Menschen immer berührt. Das letzte Mal schrieb ich, im
     Angsicht des Todes würden Menschen wahrlich denken. Vielleicht ist es so wie ein Vorübergehendes Aufweichen des Widerstands. Im Falle des
     Sterbenden wenig hilfreich, aber im Falle des intensiv betroffenen Angehörigen möglicherweise ein Angriffspunkt. Doch jeder ist anders.
     Der eine "verkraftet" den Tod, der andere vielleicht weniger, doch in den meisten Fällen geht es nur um das eigene Ego, um den persönlichen Verlust,
     wie du es weiter oben geschrieben hast. Genau nachgedacht, läßt sich der Unterschied zwischen wirklicher - sagen wir mal - Liebe zum Verstorbenen
     und dem egoistischen Verlustgefühl gar nicht ausmachen. Du kannst es ja einmal probieren, ich schätze, daß ich die Grenzen verwischen lassen kann.
     Letztlich nützt einen dieser eventuell "nützliche" Umstand der Ehrfurcht vor dem Tode auch nicht viel, denn man kann ja nicht durch Mord die Menschen
     erwachen lassen. Das hat ein Serienmörder in "Sieben" probiert und ist eigentlich - bis auf eine Ausnahme - gescheitert (zur Erläuterung: er war
     Theologiestudent und ermordete sieben Opfer nach den sieben Todsünden, um auf die Dekadenz der welt hinzuweisen. Dabei gab es zwei ermittelnde
     Beamten, dem einen wurde sein Jähzorn zum Verhängnis, er verkörperte schließlich die siebte Todsünde).
     Also ansich - so klug wie bisher - bedarf es einer kleinen Transzendenz, und der Zusammenkunft einer Gruppe der Erwachten (ich meine immer noch
     nicht die Zeugen Jehovas *ggg*), welche sich dieser Transzendenz anschließen mögen.

     Gruß


Nemesis am 19.01.2000:

     Lange Rede,kurzer Sinn : Es bleibt nur die Transzendenz,und an der können auch nur die partizipieren,die "erwacht" sind. Fazit : Weltrevolution Ade ... 
     (Im Übrigen sind wir nun entgültig offtopic ...).
     Aber zwei Anmerkungen dazu :
     1) Kommen wir nochmal kurz auf die Probleme des "Overdrive - Modus" & einer möglichen "Realitätsüberdosis" zurück. Sollten diese Dinge wirklich
     eine Gefahr für die Menschen darstellen,kann man dann noch eine "Massenaufklärung" verantworten ? Und noch ein Punkt : Was,wenn die
     Fähigkeit,über Deinen eigenen Tellerrand zu sehen,also zu "erwachen",biologisch vorgegeben ist (also durch irgendetwas ähnlich dem IQ oder so) ?
     Dann könnten die "Schafe" gar nicht "erwachen",weil sie dazu schlichtweg nicht in der Lage wären ...
     2) Volksentscheide per Internet - meine Rede. *ggg* Und ansonsten vertrete ich bekanntlich eine globale demokratische Monarchie. Vielleicht liegt
     hierin der Schlüssel : Eine Art Aristokratie der "Erwachten" über die Menschheit. Eine Schafherde benötigt einen Schäfer. Konzeptionell
     vertretbar,denke ich zumindest,aber leider kaum realisierbar. Wie jedes Modell,das auf Revolution setzt,solange die Kapitalisten die Bomben haben.
     Aber kann Reformation allein genügen ? 
     [...]


Tinúviel am 19.01.2000:
 
     Hi mein Avatar,
     [...]     
     So, zu 1)
     Du sprichst von einer biologischen Determination, einer Gabe. Und mir wird immer klarer, wie recht du hast. 
     [...; Zumindestens]
     müßte es sich so verhalten wie mit jeder anderen Gabe auch, es gilt, sie zu entdecken. Hier gibt es ein Menschheitspotential, das
     erwachen könnte. Wie auch immer, der steinige Weg führt direkt zu deinen aristokratisch-elitären Überlegungen, zu 2.
     Ein Utopia. Definiere Schaf und Hirte! Definiere krank und gesund, es ist zu unbestimmbar, wir, die wir erwacht sind, oder es zu seien glauben, sind
     Musterbeispiele dafür, wie verschieden Menschen sind, gerade wir sind verschiedener als der Mainstream-Mensch, der Normogenierte. Wären wir
     wirklich alle so weise Könige? Sollten wir so regieren über Wesen, die wir als primitiv kennzeichnen? Könnten wir in unseren dann bestehenden
     "Schlössern" ohne die Abhängigkeit vom Pöbel existieren? Würde nicht ein Fackelsturm wie einst gegen Frankenstein sich erheben, um uns zu stürzen,
     um zurückzukehren zum Status quo?, denn sie würden uns nicht verstehen - sie würden unserer Macht über den roten Knopf trotzen, die Guillotine
     wieder errichten, unsere abgeschlagenen Häupter auf Pfählen an den heimischen Marktplätzen zur Schau stellen. Das ist leider nicht einfach nur
     Pessimissmus, das ist unser sicheres Schicksal mit dem Verlauf der Zeit. Die Weisen sind eben verdammt, weil Unverständnis ihr Bild zu dem von
     Diktatoren formen muß.

     Dein Doc 


Nemesis am 21.01.2000:

     Grüß Dich !
     Sieh an,wir sind auch einmal einer Meinung. *ggg*
     Es ist schon wahr,es wäre eine Gewaltherrschaft zum Nutzen aller,deren Nutzen jedoch nicht allen auf Anhieb verständlich wäre. Es käme auf einen
     Versuch an,doch allein dieser ist schon mehr als utopisch,würde sich wohl kaum die gesamte Menschheit bereitwillig auf ein solches Experiment
     einlassen ...
     Bleibt nur die Theorie. Oder ein Modell - Versuch im Internet,wie bei der Schattenarmee. Am Ende stehen - mit etwas Glück - Erkenntnisse,die nun
     aber erst einmal von allen Menschen verstanden werden müßten. Kann man Tranzendenz in Worte fassen ? Wie also könnte man solche Erkenntnisse
     dem gemeinen Volk verständlich machen ? Bleibt nur ein Weg,der über die reine Gewalt. Aber inwiefern damit etwas besser würde,bleibt offen. Die
     Macht zu halten,wäre indessen nicht allzu schwer,sobald man erst einmal im Besitz von Nuklearwaffen ist. Diese jedoch einzusetzen,birgt wieder andere
     Risiken in sich ...
     Bleibt also als Fazit nur meine Feststellung : Den einzigen Gefallen,den die Menschheit sich tun kann,ist,sich selbst zu vernichten ?


Tinúviel am 21.01.2000:

     Noch eine Idee: Scheiß auf die Welt, wir bilden einen großen Kreis, bauen diese eine Weltraumkolonie, mit der wir fliehen und hoffen, daß wir nach
     dem Generationenwechsel nicht nur Nieten gezogen haben....

     Nein, im Ernst. Macht halten auf diktatorischem Wege wäre wohl kaum die Handhabungsweise eines Erwachten, oder? Und die Notwendigkeit einer
     Zwei-Klassen-Gesellschaft erstirbt in der Definitionsfrage. Weder Blut noch ein Test können sicher Grenzen ziehen.
     Also sind wir wieder am Anfang. Beim Selbstmord. Denn was bleibt Sissyphos sonst , als den Stein aufzugeben, ihn einfach nicht weiter den Hang
     hinaufzurollen?


Nemesis am 22.01.2000:

     Grüß Dich !
     Also lautet das Fazit,daß alle Erwachten sich umbringen sollen bzw. müssen ? Ist dann nicht der Versuch einer Aufklärung der Menschen mit
     Massenmord gleichzusetzten (das hatten wir irgendwo schonmal) ? 
     Vielleicht verstehst Du jetzt,warum ich meine Öffentlichtkeitsarbeit eingestellt habe. Intelligenz,Wissen,Erfahrung - das sind keine Talente oder
     Gaben,sondern Bürden,und nur Wenige lernen,sie zu tragen. Wenn jemand weiß,was zu tun ist,dann jemand,der schon seit vielen Jahren erwacht ist.
     Daher suche ich Anschluß zu meinen Brüdern und Schwestern in der Nacht. Wenn es einen Schlüssel gibt,liegt er dort.


Tinúviel am 23.01.2000:

     Hi.
     Es wird Zeit, egoistisch zu sprechen. Was wollen wir eigentlich? Erfüllung?
     Erlösung? Erlösung wovon? Von unangenehmen Momenten? Von Momenten wie Einsamkeit, die um so schlimmer sind für einen Erwachten, weil ihm
     die Einsamkeit auch in der Gegenwart von Mitmenschen treu bleiben kann?

     Doch ist es wirklich nur das triebhafte Bedürfnis des Abwendens allen Ungenehmen, was uns antreibt? Wie viele sprechen von der "Unwissenheit ist
     Stärke", vom Verdrängen des Denkens, Ataraxie des Tieres im Glaskasten, dumm-angenehme Existenz?

     Nein, es ist wie ein Wurm, der tief an einem nagt. Man wartet jahrelang darauf, daß irgendein Funken das lange Hoffen und Warten rechtfertigt, man
     will nicht nur Akzeptanz und Toleranz (wobei selbst die fehlen), sondern man will Verständnis und vor allen Dingen dieses jene eine, das einen erhebt,
     dieses Gemeinsamaufbrechen, um eine bessere Welt zu schaffen, und wenn es nur für einen selbst so scheint. Viele verklären den Moment, den
     Augenblick, hoffen auf das Befriedigen ihrer hedonistischen Bedürfnisse, sehen darin Glück und Glückseligkeit, doch das allein ist zu wenig.
     The world is not enough.